Vom Wachposten zum anerkannten Künstler

Eine Hirschkuh wird von Hunden angefallen, goldbronzierte Jagdgruppe aus Terrakotta von Johann Friedrich Böhler. Foto: Claudia Krottasch (Marschner)

Eine Hirschkuh wird von Hunden angefallen, goldbronzierte Jagdgruppe aus Terrakotta von Johann Friedrich Böhler. Foto: Claudia Krottasch (Marschner)

Am 21. November jährt sich der 300. Geburtstag des bedeutendsten Arnstädter Bildschnitzers der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, Johann Friedrich Böhler. Als Sohn eines Müllers und Zimmermanns erblickte er in Arnstadt das Licht der Welt, wuchs aber in der Graupenmühle bei Ichtershausen im damaligen Herzogtum Sachsen-Gotha auf.

Obwohl der Junge schon früh sein Talent zum Malen und Zeichnen entdeckte, musste er den Beruf eines Zimmermanns erlernen. Ein kurzer Aufenthalt in der Werkstatt des Hofbildhauers Heinrich Christoph Meil entfachte sein Interesse für die Bildhauerei und mit Eifer schnitzte Böhler nun Figuren, vor allem Tierdarstellungen.

Vom Wachposten zum Hofkünstler

1732 bewarb er sich als Soldat der Schlosswache für das neuerbaute Fürstliche Palais in Arnstadt. Einerseits wollte er Zeit für seine künstlerische Leidenschaft gewinnen, andererseits aber wohl auch in der Hoffnung, dass sein Herr, Fürst Günther I. von Schwarzburg-Sondershausen, auf ihn aufmerksam würde. Dieser Plan ging auf, da Böhler in jeder freien Minute schnitzte und sich während der Wache im Schilderhäuschen vor dem Palais eine Gelegenheit zur Kontaktaufnahme mit dem Fürstenpaar ergab.

Fürstin Elisabeth Albertine und ihr Gemahl sahen seine Figuren, vor allem Tiere und Jagdstücke, und waren begeistert. Das Fürstenpaar gab dem geschickten Autodidakten Aufträge. Seine Ausbildung beim Hofmaler Johann Alexander Thiele erhielt Böhler sofort, als er zur Prüfung einen Jagdhund meisterhaft nach dem Leben zeichnen konnte.

Die Lehrzeit endete schon nach einem Vierteljahr, da Thiele 1738 am Dresdener Hof eine Anstellung als Landschaftsmaler erhielt. Böhler bekam nun die Möglichkeit, seinen Herrn auf Jagden zu begleiten, mit Jägern in die Wälder zu gehen und er sah in den Kunstsammlungen der Schlösser und in der Bibliothek in Sondershausen Jagddarstellungen bekannter Künstler.

Neben seinen meisterhaften Tierdarstellungen von Hirschen und Jagdszenen, den Allegorien, Burlesken, Chinoiserien und Schäferszenen im Rokoko-Stil, fertigte Böhler auch Bilderrahmen und aus Hirschgeweih geschnittene Pfeifenstopfer. Diese vom Fürstenpaar der Kunstsammlung im Neuen Palais zugeordneten Stücke sind heute noch im Arnstädter Schlossmuseum erhalten. Die Jagdgruppe auf der Abbildung zeigt die gute Beobachtungsgabe Böhlers und das meisterhafte plastische Umsetzen im Material Ton.

Böhlers Gothaer Landesherr Friedrich II. erfuhr durch die Aufenthalte im Schloss Ichtershausen von dem talentierten jungen Mann. Er beauftragte ihn mit bildhauerischen Arbeiten zur Bereicherung seiner Kunstkammer. Da Böhler nach dem Tod seines Gönners, Fürst Günther I., im Jahre 1740 als Autodidakt im Schwarzburger Gebiet angefeindet wurde, verlieh ihm der Gothaer Herzog wegen seiner Kunstfertigkeit 1742 den Titel eines „Hof-Kunst-Figuren-Schneiders“.

Bis zu seinem Tode am 16. Mai 1784 verdiente der Bildhauer seinen Lebensunterhalt als freischaffender Künstler und war somit seit der Renaissance-Zeit wieder der erste bedeutende bürgerliche Künstler in Arnstadt. Neben Böhlers sehr gefragten Kleinplastiken und Skulpturen, von denen einige zusammen mit dem „Mon plaisir“ gezeigt wurden und mit ihm bis zu seinem letzten Standort im Schlossmuseum wanderten, machen die Aufträge für Grabmale, Epitaphien, Entwürfe für Orgelprospekte und die Gestaltung von Arnstädter Brunnen seine Vielfalt deutlich. Leider erinnern heute in Arnstadt nur noch wenige Arbeiten an den Bildhauer: der geschnitzte Taufdeckel mit der Taufe Christi in der Liebfrauenkirche, Teile eines abgebauten Orgelprospektes in der Oberkirche, ein Epitaph in der Kirche Rudisleben und seine im Schlossmuseum Arnstadt erhaltenen bildhauerischen Kunstwerke und kleinen Zeichnungen.

Im Schlossmuseum Sondershausen werden derzeit ein Katalog und eine Ausstellung, auch mit den Beständen des Arnstädter Schlossmuseums, vorbereitet und könnten später auch in Arnstadt präsentiert werden.

Helga Scheidt / 21.11.13 / TA