Schlossmuseum zeigt flämische Tapisserien

Vorbereitung: Restauratorin Claudia Krottasch (ehem. Marschner) glättet Unebenheiten auf einem der Bildteppiche, die auf Rollen aufbewahrt wurden. Foto: Christiane Fischer

Vorbereitung: Restauratorin Claudia Krottasch (ehem. Marschner) glättet Unebenheiten auf einem der Bildteppiche, die auf Rollen aufbewahrt wurden. Foto: Christiane Fischer

Zu den einzigartigen Exponaten des Arnstädter Schlossmuseums gehören elf wertvolle Bildteppiche aus dem 16. Jahrhundert. Nach aufwändiger Restaurierung werden sie jetzt erstmals wieder präsentiert.

Arnstadt. Sogar ein Teil der Dauerausstellung musste Platz machen, um die großformatigen Teppiche, wertvollen Bücher, Grafiken, Gemälde und Pokale zeigen zu können. „Alle Exponate und alle Leihgaben sind da. Nun fehlen noch die Ausstellungstafeln und Beschriftungen. Viel kann nicht mehr schief gehen“, sagte gestern Museumsleiter Matthias Klein zum Stand der Vorbereitungen. Trotzdem wird sich bei ihm die Anspannung wohl erst nach der Eröffnung am Sonnabend lösen.

Mehrere Jahre lang hat Klein diese Sonderschau zum Thema „Günther XLI. Graf von Schwarzburg und die Flämischen Tapisserien des 16. Jahrhunderts“ vorbereitet, die auch an die prunkvolle Hochzeit von Graf Günther mit Katharina von Nassau auf Schloss Neideck vor 450 Jahren erinnert. Zu diesem Ereignis hatte der Bräutigam einige dieser Wandteppiche angeschafft. So sind z. B. auf einer Inventarliste von 1583 vier große Affenteppiche, an den Wänden hängend, aufgeführt. Lange in Vergessenheit geraten und zum Teil nur noch in Fragmenten erhalten, wurden sie in den vergangenen 20 Jahren restauriert und präsentieren sich erstmals wieder in ihrer ganzen Schönheit.

Zur Eröffnung der Schau am kommenden Sonnabend um 11 Uhr werden so viele Gäste erwartet, dass die Veranstaltung im Ratssaal des sanierten Rathauses stattfindet. Danach geht es ins Neue Palais, wo neben den elf Tapisserien aus dem Fundus des Arnstädter Museums als Ergänzung auch zwei Teppiche aus Sondershausen gezeigt werden, die nachweislich aus Graf Günthers Besitz stammen. Zu den Schmuckstücken der Ausstellung gehört auch eine achtbändige, in Antwerpen gedruckte Bibel, die Katharina von Nassau der Arnstädter Oberkirchenbibliothek stiftete. Die Evangelische Kirchgemeinde ist nur einer von zahlreichen Leihgebern. So wurden originale Entwürfe für die Teppiche aus der Feder des niederländischen Künstlers Pieter Coecke van Aelst aus Berlin und der Albertina in Wien ausgeliehen. „Jetzt kommt das hier zusammen, so etwas erfreut einen Museumsmenschen“, bemerkte Matthias Klein.

Die Sonderausstellung wird von einem vielseitigen museumspädagogischen Angebot begleitet. So gibt es 45-minütige Führungen und Schüler, die mehr Zeit haben, können sich danach selbst an Webproben versuchen und so erleben, wie schwierig die Anfertigung von Gewebe einst war. Für Jugendliche bietet Museumspädagogin Evamaria Korn außerdem Führungen an, die sich dem Thema anhand einer Liebesgeschichte aus einem historischen Roman nähern. Bis November sind zudem Fachvorträge und weitere Veranstaltungen vorgesehen. So wird zum Museumstag am 16. Mai zu einer Renaissance-Stadtführung eingeladen und das Arnstädter Schlossfest am 12. Juni steht ganz im Zeichen der Grafenhochzeit. Für den 17. November, dem eigentlichen Hochzeitstag, wird ein Fest für alle Sinne vorbereitet. So lange sollte man sich mit einem Besuch der Ausstellung nicht Zeit lassen, denn einige der Originale sind nur in den ersten Wochen in Arnstadt.

Antje Köhler / 26.03.10 / TA