Nach 100 Jahren kehrte „Zwerg Schifco“ zurück

Nach 100 Jahren auf der Leuchtenburg ist "Zwerg Schifco" in das Schlossmuseum Arnstadt zurückgekehrt. Foto: Claudia Krottasch (Marschner)

Nach 100 Jahren auf der Leuchtenburg ist „Zwerg Schifco“ in das Schlossmuseum Arnstadt zurückgekehrt. Foto: Claudia Krottasch (Marschner)

Seit 2013 kann man in der Porzellangalerie des Schlossmuseums Arnstadt das Bildnis „Zwerg Schifco in Lebensgröße“ bewundern. Dieses Bild wurde nach Fertigstellung des Arnstädter Palais vor etwa 280 Jahren für den Vorsaal vor dem Festsaal auf Leinwand gemalt. Es hing dort über dem Kamin, so dass der Blick jedes Gastes auf dieses Gemälde fiel.

Am Schwarzburg-Sondershäuser Hof Fürst Günthers I. (reg. 1720-1740) gab es mehrere „Zwerge“ genannte kleinwüchsige Menschen. Andere exotische Bedienstete wie „Mohren“, Türken und ungarische Heiducken sollten der Mode der Zeit entsprechend die Exklusivität des Fürstenhauses hervorheben und wurden auf Gemälden dargestellt. Da sie eine wichtige Rolle bei der Repräsentation spielten, sind ein „Hofmohr“ sowie ein Hofzwerg auf den Ganzporträts im Festsaal des Neuen Palais vertreten.

Hier hat der Kasseler Maler Rymer Nickele 1735 dem Fürstenpaar den gleichen „Mohren“ als Bediensteten zur Seite gestellt. Auf im 19. Jahrhundert in die Wände des Festsaals eingebauten Ganzporträts des Fürstenpaares von 1730 steht links hinter Elisabeth Albertine ein jüngerer Hofzwerg.

Auch wenn nicht bekannt ist, ob es am Hofe der Witwe Auguste Dorothea von Schwarzburg-Arnstadt auf der Augustenburg „Zwerge“ gab, so sind sie zumindest in der Puppenstadt „Mon plaisir“ vertreten. Hier allerdings als Künstler auf dem Jahrmarkt und am Hoftheater, nicht als Bedienstete einer Herrschaft. Es ist auffällig, dass nach der Fertigstellung des Arnstädter Palais und der Besuche des Fürstenpaares laut Jahresabrechnungen um 1733 bis 1736 die „Mohren“ und Hofzwerge mit neuen, prachtvollen Kostümen ausgestattet wurden. Für Letztere kaufte man Leinwand für Hemden und kostbare Tuche, ließ Schuhe und Stiefel anfertigen und ein Kürschner erhielt Geld dafür, um die Mützen mit Pelzen zu füttern.

Wie prachtvoll die Hofzwerge nun aussahen, lässt sich am Ganzporträt des Schifco gut nachvollziehen: Stiefelchen aus weichem, gelbem Leder, ein prunkvolles Gewand mit Schmuckknöpfen und ein grüner Samtumhang, den wie den Halsschal eine Agraffe hält. Unterm rechten Arm erkennt man die in den Rechnungen genannte, pelzverbrämte rote Mütze. Degen, Stock und der Hund links kennzeichnen seine besondere Stellung am Hofe.

Anfang des 19. Jahrhunderts wurden die Räume im Neuen Palais Arnstadt umgestaltet und das Ganzporträt Schifcos über dem Kamin mit anderen Ausstattungsstücken nach Schloss Gehren gebracht. Dort hing es 1898 im Vorsaal zu den Fürstlichen Appartements. Danach kaufte es der Geschichts- und Altertumsverein Kahla und stellte es auf der Leuchtenburg aus. Nun ist „Zwerg Schifco in Lebensgröße“ als Dauerleihgabe aus dem Besitz des Landratsamtes des Saale-Holzland-Kreises nach Arnstadt zurückgekehrt. Nach der Sanierung des Vorsaals wird das Gemälde hier wieder über dem Kamin hängen.

Helga Scheidt / 27.07.13 / TA