Der 1715 gegründeten Dorotheenthaler Fayencemanufaktur sollte die letzte Sonderausstellung des Jahres im Schlossmuseum gewidmet sein. Daraus wurde nichts, denn die allgegenwärtige Finanznot der Stadt machte den Mitarbeitern einen Strich durch die Rechnung. Doch sollten sie wirklich die vier Räume für Sonderausstellungen leer lassen, wo doch so viele Schätze in den Depots schlummern? So entstand die Idee für die Schau „Der stumme Schrei der Kellerkinder“, die am Freitagabend eröffnet wurde und die auf die Restaurierung als gesamtgesellschaftliche Aufgabe und Verantwortung hinweist.

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Die neue Sonderausstellung im Schlossmuseum Arnstadt – „Der stumme Schrei der Kellerkinder“ – schauten sich am Sonntag auch die Familien Görs und Gerber aus Berlin bei ihrem Besuch in Thüringen an. Foto: Hans-Peter Stadermann 

Antje Vanhoefen und Janny Dittrich haben dafür einige ihrer Favoriten ausgesucht, die auf die Vielfalt wie auch den Zustand des Museumsguts hinweisen. Einige sind bereits restauriert, viele warten darauf. Das Schlossmuseum hat 17 000 Exponate in der fürstlichen Sammlung, 30 000 zur Stadtgeschichte und etwa 30 000 Bücher.

Jedes Objekt hat eine, seine Geschichte zu erzählen
„Ich mag Kellerkinder, die sind noch nicht so abgeguckt“, sagt Museumschefin Vanhoefen. Ihr geht es mit der Ausstellung nicht darum, eine Klagelied anzustimmen, sondern auf den in den Sammlungen vorhandenen Wissensspeicher hinzuweisen. Die Schau soll als ein Plädoyer verstanden werden, die notwendige Arbeit der Wissenschaftler und Restauratoren wertzuschätzen, die den Verfall von Kunst- und Kulturgut aufhalten wollen. Dafür wird zu wenig Geld zur Verfügung gestellt, da sich Kulturpolitik und -finanzierung in Freistaat fast ausschließlich auf die Theater- und Orchesterlandschaft konzen-triert, wie Antje Vanhoefen zur Eröffnung kritisierte.

Jedes Objekt hat eine, seine Geschichte zu erzählen. Manchmal ist es sogar ein Krimi wie im Falle eines Gemäldes, das vermeintlich August den Starken zeigte und für die Gestaltung des Bereiches Meißner Porzellan restauriert werden sollte. Zum einen stellte sich heraus, dass es nicht August war, zum anderen platzte Farbe vom Bild und plötzlich schaute ein Frauenauge aus dem Bauch des Porträtierten. Die Museumsmitarbeiter baten den Arnstädter Tierarzt Olaf Gensen um Hilfe, der das Porträt geröntgt hat und so ein Puzzleteil zur Aufklärung beitrug, wer die unbekannte Schöne sein könnte. Auch die Ilm-Kreis-Kliniken haben auf diese Weise schon geholfen. Es muss also nicht immer Geld sein.

So betreut Hansjürgen Müllerott seit Jahren ehrenamtlich den Bestand Ur- und Frühgeschichte. Studenten der Fachhochschule Erfurt restaurieren für ihre Abschlussarbeiten ab und an geeignete Objekte aus dem Museum. Dass die älteste Darstellung eines Arnstädter Ratsherren wieder präsentabel ist, ist der großzügigen Unterstützung durch die Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen und der Sparkasse Arnstadt-Ilmenau zu verdanken. Die Sonderschau zeigt auch einige historische Uniformen, Bücher zur Stadtgeschichte, barocke Damenschuhe und Empire-Möbel im „Wartestand“. Letztere sollen die ständige Ausstellung bereichern. Eigentlich müsste das Museum mehrere Restauratoren beschäftigen, aber es gibt mit Claudia Krottasch nur eine einzige feste freie Mitarbeiterin

Antje Köhler / 14.12.15 / TA